
Der berühmte Schriftsteller und Literaturprofessor Walter Jens, der in seiner Jugend ein begeisterter ETV-Fußballfan war, hat einmal gesagt: "Wenn ich den letzten Goethe-Vers vergessen habe, werde ich den Eimsbütteler Sturm noch aufzählen können - Dehrle Ahlers, Otto Rohwedder, Herbert Panse, Kalli Mohr und Hanno Maack."
Der ETV bewegt Menschen - und ihre Gemüter. Das war schon immer so.
Als sich am Abend des 12. Juni 1889 sechzig Herren in Jappes Wirtschaft an der heutigen Fruchtallee kräftig stritten, erblickte der "Eimsbütteler Männerturnverein" das Licht der Welt. Der Streit hatte Folgen: Noch im selben Monat spaltete sich die "Eimsbütteler Turnerschaft" ab. Beide Vereine turnten nebeneinander her, auch Frauen turnten bald mit. 1893 kam es zur Wiedervereinigung, nur um sich bald erneut zu trennen und erst der gemeinsame Wunsch nach einer eigenen, zentralen Übungsstätte, brachte die Streithähne an einen Tisch. 1898 taten sich die Eimsbütteler zum "Eimsbütteler Turnverband" zusammen, um ihr gemeinsames Haus zu bauen: 1910 war die neue vereinseigene Turnhalle an der Bundesstraße fertig, nach den Plänen von Julius Sparbier, dem Verbandsvorsteher.





Seit über hundert Jahren kommen Menschen in den Verein, um sich hier zu treffen, zu turnen, Spaß zu haben oder Leistung zu zeigen. Wie die Jungs vom Eimsbütteler TV, denen Walter Jens zwischen 1931 und 1937 regelmäßig zujubelte. Natürlich war er auch dabei, als seine Lieblings-Fußballmannschaft die Schalker im Volksparkstadion geschlagen hat.
Auch in seiner klassischen Diszipin des Turnens hat der ETV stets Leistung gezeigt: Kunstturnen etwa wurde in vielen Wettkämpfen erfolgreich demonstriert. Höhepunkte waren in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg die Städtewettkämpfe Hamburg-Berlin-Leipzig oder die olympischen Spiele.
Daneben haben viele Abteilungen eine lange Tradition im ETV:
Basketball wird seit 1937 an der Bundesstraße trainiert. Mit Erfolg von Anfang an: Gleich in der Spielzeit 1938/39 wurden die ETV-Herren Hamburger Basketballmeister. Die Faustballer gewannen 1928 und 1929 in Weimar und Berlin, die Damen 1934 in Nürnberg die Deutsche Meisterschaft. Die Fechtabteilung des ETV ist eine der ältesten Fechtervereinigungen Hamburgs. Seit der Jahrhundertwende fordern sich hier die Fechter zum Duell. Schon die 30er Jahre waren eine Glanzzeit für die ETV-Handballer: Titel über Titel heimsten sie ein. Gepaddelt wird seit 1921, bis heute mit sportlichen Höhepunkten. Die Leichathleten sind von Anfang an dabei. 1896 erkämpfte sich Hans Liesche bei den olympischen Spielen in Athen die Silbermedaille im Hochsprung. Geschwommen wird seit 1911. Unvergessen bis heute: das erste legendären Langstreckenschwimmen im Juni 1912 auf der Süderelbe. Da starker Ostwind das Wasser weitgehend aus dem Flußarm gedrückt hatte, mussten die Schwimmer auf den 3000 Metern mehr mit grauem Schlick, als mit dem nassen Element kämpfen.


Über die politische Einstellung des Vereins während des Dritten Reichs gibt es kaum Material. Sicher liegt hier noch viel Dunkles verborgen. Während des zweiten Weltkriegs musste der Sportbetrieb teilweise ganz eingestellt werden.
Der Verein ist in der Nachkriegszeit wie Gesamtdeutschland vom Wiederaufbau geprägt. Das Turnhallengebäude war bei zwei Angriffen schwer beschädigt worden und am Sportzentrum Hoheluft standen nur noch Mauern. 1948 übernahm Robert Finn die Leitung des Vereins und es gelang ihm die Schäden beseitigen zu lassen und die Anlagen zu erweitern und zu modernisieren.
Julius Lüdemann engagiert sich für die Turnabteilung, die mit den Kunstturnerinnen in den folgenden Jahrzehnten Meistertitel scheffelte. Ab 1980 stiegen die Mitgliedszahlen der Turn- und Gymnastikabteilung überproportional an. Breitensport ist gefragt. Wer fit im Alltag sein will, muss sich bewegen - unter qualifizierter Anleitung, aber ohne ausgeprägte Leistungsanforderung. Entsprechend der Bedürfnisse gestaltete sich die Vielfalt der Angebote. Ob Eltern-Kind-Turnen, Rehabilitationssport, Power-Yoga oder Skigymnastik. Das Sportprogramm spiegelt die moderne Gesellschaft.
Alle Abteilungen, die vor dem Krieg gegründet wurden, konnten ihre Erfolge fortsetzen und ausbauen - bis heute.
Jüngere Sportarten gesellten sich zu den älteren Abteilungen und der Verein wuchs und wuchs.
Tischtennis wurde kurz nach Kriegsende in Gaststätten gespielt: mit Sperrholz- oder Korkschlägern auf einer selbstgebauten Platte mit wackeligem Gestell. Seit 1946 ist Tischtennis eine Abteilung im ETV und Jahr für Jahr stieg die Herrenmannschaft des ETV auf. Auch die Damen zogen in den sechziger Jahren nach. Heute hat der Name des ETV im Tischtennis einen guten Klang!
Da Madame Céronne im 17. Jahrhundert eine bekannte Pariser Tanzlehrerin war, bekam die neue Tanzsportabteilung der Tanzschule Heinrici 1947 kurzerhand den Namen "Club Céronne". 1968 schloss sich dieser Club dem ETV an. Die Erfolsserien, die zahlreiche Paare hier vor und nach der ETV-Zeit hinlegten, sind beispiellos.
Badminton kam 1959 dazu und kurze Zeit später wurde mit zahlreichen Hamburger Meistertiteln die Ära Badminton eingeleitet. Seitdem ist die Abteilung mächtig gewachsen und auch Nichtmitglieder können heute Hallenplätze mieten.
Die Karateabteilung beim ETV war 1965 die erste im Hamburger Stadtbereich. Von den Älteren bis zum Nachwuchs können alle Karateka große Erfolge vorweisen.
Die Judoka mussten sich 1969 noch mit einem Plätzchen in der Robert-Finn-Halle begnügen, bevor sie eigene Dojos bekamen. Heute ist die Judo-Abteilung des ETV die stärkste Gruppe im Hamburger Judo-Verband und besonders die weiblichen Judoka sind absolute Spitze.
1971 beschloss der ETV, dass das ostasiatische Ballspiel Volleyball auf Freizeitfahrten so viel Spaß machte, dass eine eigene Abteilung angebracht schien. Nach den olympischen Spielen 1972 in München wurde Volleyball so richtig populär, was beim ETV für Zuwachs sorgte.
Baseball ist erst seit 1988 im Verein, Softball kam noch dazu und in beiden Sportarten regnet es Titel. Erst kürzlich wurden die Softball-Damen Deutsche Meister.





Das Fitness- und Gesundheitszentrum mit Studio, Sauna und qualifizierter Ärztin ist eine jüngere Errungenschaft des Vereins. Für das ETV-Studio wurde im Jahr 1996 ein Neubau an der Bundesstraße eingeweiht, in dem sich ein hochmoderner Sportgerätebereich, zwei Gymnastikräume und eine Neue Sporthalle befinden. Das ETV-Studio bietet ein umfassendes Angebot für Körper, Geist und Seele. Sich etwas Gutes tun und den angestrebten Trainingszustand zu erreichen, ist ein aktuelles Ziel vieler Menschen.
Von den Anfängen des Vereins am Ende des 19. Jahrhunderts bis heute möchte der ETV den Bedürfnissen seiner Mitglieder gerecht werden, denn die Mitglieder sind der Verein. Trendsportarten wie Capoeira, Inline-Skating, Boxen oder Sicherheitstraining haben sich schnell im Sportprogramm etabliert. Der ETV stand nie und steht auch heute nicht außerhalb der Gesellschaft. Mit abteilungsübergreifenden Jugendreisen oder abteilungsinterner Förderung spricht der ETV Kinder und Jugendliche an, mit der "Aktion Spätlese" verfügt er über besondere Angebote für Senioren.
Das jüngste Projekt des ETV ist die Gründung einer Kinder-Sport-Schule (KiSS) im Jahre 2008. Mit einer schulähnlichen, sportartenübergreifenden motorischen Grundlagenausbildung sollen Kinder zwischen 4 und 10 Jahren Freude an Bewegung entwickeln, Selbstvertrauen in das eigene Können und vielfältige Sporterfahrungen sammeln können, bevor sie sich in bestimmten Sportarten spezialisieren. Näheres dazu unter www.kiss-hamburg.de.
Heute ist der ETV mit knapp 11.000 Mitgliedern, die in 23 Abteilungen ca. 30 unterschiedliche Sportarten ausüben, nicht nur einer der größten Breitensportvereine Deutschlands, sondern auch im Leistungssport nach wie vor eine erste Adresse - und kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.